Quadratische Deutsche Konzertina

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kawewue
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Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von kawewue » 9. Mai 2019, 19:40

Die heutigen Deutschen Konzertinas werden ausschließlich mit einem 6eckigen Gehäuse gebaut.
Dabei waren die ersten Konzertinas rechteckig oder quadratisch.
oriwohl1.png
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C408a.jpg
C408a.jpg (153.26 KiB) 330 mal betrachtet
Auch die recht schnell erweiterten Modelle (Chemnitzer, Carlsfelder, Bandonion) blieben quadratisch.

6eckig wurden sie, als die deutschen Konzertinabauer den englischen Markt entdeckten und dort das 6eckige Luxusprodukt Wheatstone mit einer billigen Alternative angreifen wollten. Dabei ist eine 4eckige Konzertina leichter und günstiger zu bauen, als eine 6eckige, man denke nur an die verminderte Zahl von Balgteilen und -ecken!

Es kam die Idee auf, eine 2chörige Deutsche Konzertina wieder mit quadratischem Querschnitt bauen zu lassen. Robert Wallschläger aus Carlsfeld http://www.hzi-carlsfeld.de/1.html kommt als erfahrener Handzuginstrumentebauermeister (ich liebe dieses Wort!) in Frage, der die Idee umsetzen könnte. Die von ihm bisher gebauten 6eckigen Deutschen überzeugen in Klang und Qualität.

Das Projekt "Quadratische zweichörige Konzertina mit deutscher Griffweise" ist noch Planung. Wer sich daran beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen seine Wünsche und Ideen einzubringen. Beim Innenleben und dem Balg vertraue ich dem Handwerker. Beim Design ist alles offen:
  • Verkleinertes Bandonion? (schwarz, Schallkasten)
  • Historisch mit Bohrlochblumen wie in den Bildern oben
  • Was anderes?
Soweit mal,
kawewue

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Sebastian
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Re: Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von Sebastian » 10. Mai 2019, 10:42

kawewue hat geschrieben:
9. Mai 2019, 19:40
Beim Design ist alles offen:
  • Verkleinertes Bandonion? (schwarz, Schallkasten)
  • Historisch mit Bohrlochblumen wie in den Bildern oben
  • Was anderes?
Ich finde die Idee sehr charmant, auf zwei Ecken zu verzichten.

Die Schalllochgestaltung durch Bohrlöcher war damals wohl der Tatsache geschuldet, dass man Bohrlöcher ohne viel Aufwand setzen konnte. Die englischen Instrumente weisen ja, wenn ich mich nicht irre, von Beginn an schon kompliziertere Muster durchbrochener Schalldeckel auf. Aber das waren eben auch teurere Saloninstrumente. Demgegenüber ist die zweireihige Konzertina eigentlich immer ein 'Prollinstrument' gewesen. Allein schon der fette Klang der zweichörigen Instrumente zeigt das ja. Deshalb wäre eine verkünstelte Gestaltung eigentlich so ein bisschen gegen das Instrument.

Stagi hat eine einfach gehaltene Laubsägeverzierung, die mir eigentlich recht gut gefällt. Silvetta hatte mal was Ähnliches.

Bild

Was nettes Historisches, das mir sehr gut gefällt, ist zum Beispiel auch das hier aus den 20er-Jahren:

Bild

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Sebastian
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Re: Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von Sebastian » 18. Jun 2019, 17:20

Gibt es eigentlich inzwischen berichtenswerte Fortschritte, was die instrumentenbauliche und die gestalterische Seite angeht? Gibt’s ne Reaktion vom Wallschläger?

kawewue
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Re: Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von kawewue » 23. Jun 2019, 18:35

Hallo Sebastian,

ja, Wallschläger wäre bereit:
"Zwecks der quadratischen Konzertina besteht auch bei mir Interesse, die Form zu bauen. Im quadratischen bekommt man auch die Stimmstöcke besser unter. Gern können wir darüber nochmal sprechen, vielleicht in einem Telefonat."

Nina aus Wien würde sich am Design beteiligen. Sie hat für Rac die Seitenteile einer Duet sehr schön gestaltet (keltisch).
(Keltisch passt hier nicht, ich stelle mir etwas jugendstilisches/jugendbewegtes vor , so Jahrhundertwende...)

Bevor etwas beschlossen wird, stelle ich die Pläne hier zur Begutachtung und Diskussion, schließlich soll das Teil möglichst viele ansprechen.

Gruß, Klaus

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Re: Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von Dada » 25. Jun 2019, 07:55

Ich habe grundsätzliches Interesse falls Liefertermin und Preis akzeptabel sind.
Roland

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Re: Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von Sebastian » 26. Jun 2019, 12:04

Dada hat geschrieben:
25. Jun 2019, 07:55
Ich habe grundsätzliches Interesse falls Liefertermin und Preis akzeptabel sind.
Mit Lieferterminen bei anderen Instrumentenbauern (beim Wallschläger habe ich noch kein Instrument bestellt) habe ich sehr durchwachsene Erfahrungen. Dabei habe ich Gelassenheit lernen dürfen. :D

Was den Preis angeht: "Akzeptabel" ist individuell ja immer sehr unterschiedlich. ;) Der Wallschläger baut ja seit ein paar Jahren schon normale sechseckige zweireihige Konzertinen; ich weiß allerdings nicht, wie viel Geld er dafür momentan verlangt. Aber das wäre vielleicht ein Orientierungswert. Vielleicht weiß Klaus was dazu. Solange es nicht weit in den vierstelligen Bereich geht, wäre ich noch prinzipiell interessiert.

Im Eröffnungsbeitrag schrieb Klaus noch:
kawewue hat geschrieben:
9. Mai 2019, 19:40
  • Verkleinertes Bandonion? (schwarz, Schallkasten)
Ich finde das elfenbeinfarbene Ziehkastl von Viceroy (auch aus Sachsen, wenn ich mich nicht irre), dessen Bild ich oben eingestellt habe, eigentlich ziemlich schnieke. Schwarz muss für mich nicht sein. Die dunklen Brauntöne, die vielleicht Edelhölzer imitieren sollen, sind auch nicht so unbedingt mein Fall. Bunt bemalt und mit viel Blingbling ginge für mich noch, wäre aber heute bestimmt nicht mehr massenmarkttauglich. ;)

Einen Brummkasten wie bei den großen Konzertinen fände ich eher problematisch, da die Melodie bei mir sehr, sehr häufig von rechter Hand in linke Hand und zurück wechselt. Da klängen dann einzelne Melodieabschnitte immer wieder abgedumpft und andere wieder strahlender. Daher befürwortete ich eine möglichst einheitliche Klangcharakteristik über das ganze Instrument, obschon ich links immer eine Bass- und Akkordbegleitung spiele.

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Sebastian
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Re: Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von Sebastian » 27. Jul 2019, 21:25

Hier übrigens ein Beispiel, wie es vielleicht nicht aussehen sollte:

Bild

http://hmi.homewood.net/square/

kawewue
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Re: Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von kawewue » 18. Okt 2019, 22:56

Ich fahre Anfang der Allerheiligenferien in die Oberpfalz zu Georg Leugner-Gradl (https://www.steinlinger-balginstrumente.de/).
Gerald K. kommt auch dazu. Herr Leugner-Gradl ist ein Bekannter von einem Würzburger Freund, der aus der Oberpfalz stammt. Er war wohl in der Computerbranche und hat sich mit der Werkstatt einen Traum erfüllt. Klingt doch ganz vielversprechend...

Gruß, Klaus

P.S. Die http://hmi.homewood.net/square/ finde ich ganz nett, aber zu verspielt, zu filigran. Außerdem möchte ich den Griff ziemlich in der Mitte des Instrumentes haben, damit sich die Seitenteile parallel öffnen/schließen, und nicht halbkreisförmig, bzw. durch Handführung parallel gehalten werden müssen. (Ist vielleicht Gewöhnungssache, aber wenn ich Instrumente spiele, die Griffe am Rand haben, störe ich mich daran.)

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Re: Quadratische Deutsche Konzertina

Beitrag von kawewue » 30. Okt 2019, 19:16

Hallo,

wir haben gestern fast 3 Stunden konferiert, und es ist sogar etwas dabei herausgekommen.;-)
Herr Leugner wird bis Februar einen Prototyp bauen, und dann sehen wir weiter.

Folgendes haben wir festgehalten:
  • Kantenlänge 15 bis 16 cm
  • Zinkstimmplatte für alle Zungen
  • Seitenteile möglichst schmal (ähnlich Klingenthaler: 2,8 cm)
  • Helles Kirschfunier mit Maserung
  • Knöpfe und Kantenschoner aus rotbraunem Tropenhartholz
  • Balg: 3x3, also zwei Balgrahmen und jeweils 3 Falten
  • Leichtes (Sperr-)Holz
  • Luftknopf gut erreichbar
  • Der Griff nahe an der Instrumentenmitte, nicht am Rand (wie bei der Tedrow)
Wenn später jemand andere Materalien/Farben möchte, ist das kein Problem, nur die Form liegt dann fest.

Gruß, Klaus

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