Anfänger-Instrument / Luft-Problem

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TooOldForRockNRoll
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Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von TooOldForRockNRoll » 4. Jun 2020, 21:20

Hallo zusammen, wie an anderer Stelle bereits geschrieben habe ich eine Scholer Konzertina in G/D-Stimmung mit 21 Tasten, vmtl. doppelchörig, und 9 Falten im Balg.

Meiner Meinung nach ist der Balg dicht, trotzdem habe ich Probleme wenn ich mit dem Instrument Stücke mit zusätzlicher Akkordbegleitung üben möchte. Wenn zu viele Tonfolgen auf Druck zu spielen sind ohne Gelegenheit mit dem Luftknopf zusätzlich Luft zu holen verhungere ich bei manchen Stücke regelrecht, d.h. irgendwann ist ohne eine Luftholpause kein Weiterspielen mehr möglich. Das ging mir schon bei Übungsstücken aus der Bäcker-Schule so und dann macht es keinen rechten Spaß mich mit Akkorden zu begleiten.

Meine Frage ist nun, von was die verfügbare Luftmenge denn abhängt. Wird z.B. bei einem doppelchörigen Instrument automatisch doppelt so viel Luft verbraucht wie bei einem einchörigen? Und reicht die Luft bei einem Instrument mit etwas größerem Durchmesser und mehr Falten auch länger?

Melodiespiel auf der Scholer macht mir zwar Spaß, aber eigentlich würde ich auch gern Akkordbegleitung lernen. Wäre das z.B. mit einem einchörigen Modell wie der Hohner D40/12 mit 12 Balgfalten leichter möglich? Wäre so eine Hohner deshalb geeigneter um als Anfänger auch Akkordspiel zu lernen? Danke!

kawewue
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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von kawewue » 4. Jun 2020, 22:22

Hallo,

Luftprobleme haben Anfänger, die überwiegend Balgarbeit praktizieren. Erfahrene KonzertinaspielerInnen bevorzugen Knopfarbeit. Was ist der Unterschied?

Balgarbeit: Man drückt Knöpfe und zieht oder drückt dann den Balg. Dabei zischt relativ viel Luft durch die Zellen.
Knopfarbeit: Der Balg wird gedrückt oder gezogen, und dann erst werden die Knöpfe gedrückt. Sobald der Knopf wieder losgelassen wird, geht keine Luft mehr verloren.

Ein- oder Zweichörigkeit haben damit wenig zu tun. Wenn genügend Luft vorhanden ist: Gerne Balgarbeit. Wenn nicht: Knopfarbeit!

Mit der Zeit: Immer öfter Knopfarbeit!

Gruß, Klaus

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TooOldForRockNRoll
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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von TooOldForRockNRoll » 5. Jun 2020, 09:29

Hallo Klaus,

danke für deine schnelle Antwort. Spieltechnik ist wichtig, klar. Auch wenn ich es mir noch nicht richtig vorstellen wie man auf diese Weise flüssig spielen kann. Aber sonst wäre es ja auch zu einfach. :lol:

Wenn ich dich richtig verstanden habe spielt es also beim "Luftverbrauch" überhaupt keine Rolle ob ein Instrument ein- oder mehrchörig ist. Ich hatte die Vorstellung dass durch zwei Ventile mehr Luft entweichen müsse als durch eines. Was aber sicher auch von der Größe der einzelnen Luftdurchlässe abhängt. Bei den tiefen Tönen geht nach meiner Erfahrung anscheinend besonders viel Luft verloren, da dürften die Luftdurchlässe zum Erreichen der tiefen Frequenzen auch größer sein. Was von der Theorie her vielleicht doch zu einem höheren Luftverbrauch führen könnte wenn bei doppelchörigen Konzertinas ein oktavierter tieferer Ton mit erklingt. Aber da spricht wahrscheinlich deine persönliche praktische Erfahrung dagegen. Sorry übrigens, falls ich nicht die richtigen Fachbegriffe verwende.

Aber das Volumen eines Balges wird doch bestimmt eine direkte Auswirkung darauf haben wie lange die Luft reicht, oder?

Und noch eine ganz konkrete Frage:

Ist eine Hohner D40/12 ein empfehlenswertes Instrument oder eher nicht so dolle? Hat da jemand Erfahrung?

Hohner bedeutet ja nicht automatisch Qualität, was ich von ihren Mundharmonikas kenne. Da verkaufen sie auch relativ schlechte Einsteiger-Instrumente aus chinesischer Fertigung. Wobei chinesische Fertigung natürlich nicht zwangsläufig ein Makel ist.

Gruß
Peter

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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von kawewue » 5. Jun 2020, 10:31

Klar verbrauchen zwei Chöre mehr Luft als einer, aber in der Regel ist die Balglänge nicht die begrenzende Größe, sondern die Spielweise: Rhythmisch, kurz und knackig > So kann man auch auf zweichörigen lange Zug- oder Druckphasen spielen.

Beim Kauf einer zweichörigen Deutschen hast du nicht viel Auswahl. Die Hohner sehe ich regelmäßig auf den Konzertinatreffen.

Gruß, Klaus

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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von TooOldForRockNRoll » 5. Jun 2020, 19:39

Demnächst kann ich die Hohner D40/12 direkt mit der Scholer vergleichen. Ich habe mir spontan eine "Gebrauchte" gekauft, die nie gespielt worden ist. Ich denke 250 € sind o.k., auch wenn meine Scholer, die ebenfalls nie gespielt wurde, nicht mal ein Drittel davon kostete. Aber Scholer sehe ich doch viel häufiger im Angebot. Na da bin ich jetzt gespannt. Etwas ungewiss ist ein Kauf über ebay Kleinanzeigen immer, aber bisher wurde ich dort beim Instrumentenkauf glücklicherweise noch nie enttäuscht. :)

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Sebastian
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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von Sebastian » 6. Jun 2020, 11:29

TooOldForRockNRoll hat geschrieben:
5. Jun 2020, 09:29
Ich hatte die Vorstellung dass durch zwei Ventile mehr Luft entweichen müsse als durch eines. Was aber sicher auch von der Größe der einzelnen Luftdurchlässe abhängt. Bei den tiefen Tönen geht nach meiner Erfahrung anscheinend besonders viel Luft verloren, da dürften die Luftdurchlässe zum Erreichen der tiefen Frequenzen auch größer sein. Was von der Theorie her vielleicht doch zu einem höheren Luftverbrauch führen könnte wenn bei doppelchörigen Konzertinas ein oktavierter tieferer Ton mit erklingt.
Stimmt alles. Aber es stimmt auch, was Klaus schrieb, dass der begrenzende Faktor in der Regel der Spieler selbst ist. Bei Anfängern reicht die Luft oft nicht aus. Mit der Zeit schleicht sich dieses Problem aber in der Regel aus.

Wenn man Melodie + Akkorde spielt, kommt es ab und zu vor, dass ein Stück partout z. B. nur auf Zug zu spielen wäre, was aber natürlich so nicht geht. So was ist aber selten. Dann fängt man an nachzudenken, wo man kurze Druckpassagen einbauen könnte, über zwei drei Töne. Wenn man dazu Akkorde spielt, kann man in der kurzen Zeit doch ziemlich viel Luft ablassen.

Solange man aber eh nur Melodien spielt, liegt’s immer am Spieler. 8-)

Von einchörigen Konzertinen (sofern’s nicht wirklich teure Kisten mit dem "englischen" Klang sind) halte ich (wegen des Klangs) gar nichts. Aber ich finde es natürlich trotzdem gut, dass du dir die Hohnerschachtel zugelegt hast. Denn dann kannst du tatsächlich selbst vergleichen und dir eine Meinung bilden. :)

P. S.: Du hast eine alte Scholer, schreibst du. Hast du sie mal neu ventilieren lassen? Die Ventile (alt: Lederstreifen über den Stimmzungen; neu: Plastestreifen über den Stimmzungen) sind dazu da, den unnötigen Luftdurchsatz durch die jeweils nicht klingenden Zug- bzw. Druckstimmen abzustellen. Wenn der Balg an sich recht dicht ist, du aber beim Spielen kaum genug Luft hast, kann das an altersschwachen Ventilen liegen.

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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von TooOldForRockNRoll » 6. Jun 2020, 14:16

Sebastian hat geschrieben:
6. Jun 2020, 11:29
...
Solange man aber eh nur Melodien spielt, liegt’s immer am Spieler. 8-)
...
P. S.: Du hast eine alte Scholer, schreibst du. Hast du sie mal neu ventilieren lassen? Die Ventile (alt: Lederstreifen über den Stimmzungen; neu: Plastestreifen über den Stimmzungen) sind dazu da, den unnötigen Luftdurchsatz durch die jeweils nicht klingenden Zug- bzw. Druckstimmen abzustellen. Wenn der Balg an sich recht dicht ist, du aber beim Spielen kaum genug Luft hast, kann das an altersschwachen Ventilen liegen.
Beim Melodiespielen habe ich weniger Probleme, da reicht es mir ggf. mit der Luftklappe zu steuern. :D Das macht das Spielen auch in gewisser Weise spannend weil man vorausschauend spielen muss. Vielleicht liegt es auch daran dass ich mit der Konzertina versuche so flüssig zu spielen wie mit meiner Ukulele statt "perkussiv", sprich dass ich die Knöpfe nur kurz drücke, zumindest mit der linken Hand.

Zur Scholer: Abgenutzt können die Ventile nicht sein, die Scholer wurde nicht gespielt. Es könnte höchstens sein dass evt. das Leder/die Plaste über den Stimmzungen gealtert ist. Nur so Interesse halber: In welcher Größenordnung muss man preislich rechnen wenn man eine Konzertina neu ventilieren lässt?

Aber zunächst mal warte ich ab bis die Hohner da ist und ich vergleichen kann. Eine Einchörige klingt wahrscheinlich besser wenn man Begleitung dazu spielt. Dann habe ich auf jeden Fall mal zwei Varianten von Konzertina: Sie sind vermutlich unterschiedlich gestimmt (Scholer G/D, Hohner vmtl. C/G) und hoffentlich komme ich mit der Hohner beim Lernen von Akkordbegleitung besser zurecht. Aber auch fürs Melodiespielen direkt vom Notenblatt ohne Tabulatur finde ich C-Stimmung gut, zumindest bei meinem vorhandenen Notenmaterial (ist nicht speziell für Konzertina). Da ist C-Dur doch mit am Häufigsten. Wobei das Transponieren im Kopf bei einem versierteren Spieler möglicherweise auch funktioniert, aber so weit bin ich noch nicht.

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Sebastian
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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von Sebastian » 6. Jun 2020, 20:21

TooOldForRockNRoll hat geschrieben:
6. Jun 2020, 14:16
Vielleicht liegt es auch daran dass ich mit der Konzertina versuche so flüssig zu spielen wie mit meiner Ukulele statt "perkussiv", sprich dass ich die Knöpfe nur kurz drücke, zumindest mit der linken Hand.
Ja, wahrscheinlich auch das. Akkorde tippe ich meistens wirklich nur kurz an, könnte man auch »perkussiv« nennen. :D (Bassnote bisschen länger.)
Zur Scholer: Abgenutzt können die Ventile nicht sein, die Scholer wurde nicht gespielt. Es könnte höchstens sein dass evt. das Leder/die Plaste über den Stimmzungen gealtert ist.
Genau. Die Ventile nutzen sich nicht ab, altern aber. Lederventile biegen sich im Alter nach außen und werden starr. Damit haben sie keine Wirkung mehr. Plasteventile können theoretisch verspröden; aber solche Probleme hatte ich noch nicht. Aber der Kleber, mit dem sie auf die Stimmplatten aufgeklebt sind, kann versagen.
Nur so Interesse halber: In welcher Größenordnung muss man preislich rechnen wenn man eine Konzertina neu ventilieren lässt?
Keine Ahnung. Solche Ventile benutzt man bei allen Instrumenten mit durchschlagenden Zungen (Mundharmonika, Akkordeon &c.), außer vielleicht bei Harmonien. Das sind Pfennigartikel, und das Anbringen kann nicht viel kosten. Da die zweireihige Konzertina auch nur relativ wenige Stimmzungen hat, kann das Ganze auch nicht viel kosten. Allerdings habe ich bislang noch nie nur neu ventilieren lassen, sondern immer auch neu wachsen und neu stimmen, so als Paket. (Wobei die alten Scholerteile eher als Wegwerfartikel konzipiert und manchmal so eng sind, dass der Akkordeonfritze ins Fluchen kommt. ;) )

Du kannst die Konzertina ja mal aufschrauben und reinschauen, wie die Ventile aussehen. Das geht einfach und zerstörungsfrei.

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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von TooOldForRockNRoll » 7. Jun 2020, 22:39

Danke für den Tipp mit dem Aufschrauben!

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Re: Anfänger-Instrument / Luft-Problem

Beitrag von TooOldForRockNRoll » 8. Jun 2020, 19:00

Die Hohner ist schon da. Mit ihr kann ich deutlich länger ohne Luftprobleme spielen als mit der Scholer. Der Balg hat aber auch deutlich mehr Volumen, obwohl meine Scholer nicht das kleinste Modell des Herstellers ist. Der Balg geht deutlich weiter auseinander und hat auch etwas mehr Durchmesser, mehr Falten sowieso.

Der einchörige Klang ist äußerst klar und lauter als bei der Scholer. Mehrstimmig hört es sich richtig gut an.

Die Verarbeitung der Hohner ist auf den ersten Blick hochwertiger als bei der Scholer wobei im Gegensatz zur Scholer die Abdeckung der Ventile genagelt zu sein scheint. Das sieht wiederum billig aus, aber wenn notwendig lassen sich da bestimmt auch Schrauben eindrehen. Der Lack ist leider an manchen Stellen etwas angelaufen, das macht mir jedoch nichts. Ansonsten sieht sie ungespielt aus. Eine massive Holz-Alu-Box zum Aufbewahren war auch noch dabei. Bin echt zufrieden.

P.S.: Den Größenunterschied sieht man in meinem derzeitigen Profilbild.

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