Schule für die Concertina (ca. 1880)

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kawewue
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Schule für die Concertina (ca. 1880)

Beitrag von kawewue » 16. Aug 2019, 16:34

Hallo,

ich habe eine notenlose Schule mit Tabulaturen für (zwanzigknöpfige) Deutsche CG-Konzertina gefunden. Sie stammt wohl aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auf dem Titelblatt wird der Name des Instruments ergänzt durch "Bandonion", den Begriff gab es erst ab 1855. Andererseits beschreibt das Vorwort eine sehr frühe Situation:
"Da die deutsche Concertina sich nach und nach einer größeren Beliebtheit erfreut wie die ihr verwandte Harmonika, weil erstere im Bass ebensoviele Töne (20) besitzt, wie für die Melodie vorhanden sind, während bei der Harmonika der Bass viel einfacher und also auch monotoner ist, so hat sich mit der Zeit auch das dringende Bedürfnis nach einer für jeden Laien schnell und leicht fasslichen Concertinaschule herausgestellt."

Die Konzertina verdrängt die Harmonika (wohl ein frühes Akkordion Deutscher Bauform mit zwei oder vier Löffelklappen auf der Bass-Seite, auf der Werbung unten die rechte Harmonika), weil es so viele Töne auf der Bass-Seite hat! Die größeren Konzertinas und das Bandonion haben zwar mehr Knöpfe/Töne, scheinen aber im unteren Preissegment keine Rolle zu spielen. Also die Zeit, aus der diefolgende Werbung stammt:
Werbung1878.png
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Ich habe die Schule als Nr. 35 aufs KonzertinaNetz gestellt. Sie führt in die Akkordeon-Spielweise ein und ergänzt (oder ersetzt) die Bäckerschule.
Gruß, Klaus

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Sebastian
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Re: Schule für die Concertina (ca. 1880)

Beitrag von Sebastian » 18. Aug 2019, 13:14

Wenn ich mir die Typografie und auch die Kleider der Leute auf dem Titelblatt ansehe, dann scheint mir 1880 zu früh datiert. Auf den Seiten 6 und 7 ist ein Neuer Daisy-Walzer notiert, der meiner Meinung nach deutliche Anleihen beim Schlager Daisy Bell (Bicycle Built for Two) von 1892 nimmt. Wenn das zutrifft, kann der Luschnitz frühestens aus der Mitte der 90er-Jahre stammen.

Ach so, es lohnt sich, die Titel überhaupt durchzuschauen. Da sind zum Beispiel die Gigerlkönigin von Paul Lincke von 1894 und der Walzer Nach dem Ball von Charles Kassell Harris von 1892. Wenn man gründlich sein will, kann man auch noch die Titellisten in den Verlagsanzeigen am Ende des Heftchens durchgehen.

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